Reproduktionsmedizin

Zuchttauglichkeitsuntersuchung –  Therapie von Fruchtbarkeitsstörungen

Über die gynäkologische Untersuchung mit weiterführender Diagnostik an Hand von Uterustupfern, -spülungen und -biopsien können entzündliche (Endometritis) und auch degenerative (Endometrose) Veränderungen der Gebärmutter erkannt werden. Die transrektale Ultraschalluntersuchung ermöglicht die Darstellung der Funktionsgebilde (Follikel, Gelbkörper) auf den Eierstöcken (Ovarien) und der Gebärmutterstruktur. Sie ist essentiell für die Diagnosefindung pathologischer Veränderungen wie Ovartumore oder Endometriumzysten bei der Stute oder Ovarzysten bei der Kuh.

Je nach Ursache (Bakterien, Hefen) und Schweregrad gibt es verschiedene Möglichkeiten, entzündliche Veränderungen zu behandeln, häufig vorgenommen werden Spülungen der Gebärmutter und systemische Behandlung nach Resistenztestung. Endometriumzysten können endoskopisch entfernt werden. Zysten der Eierstöcke beim Rind werden in der Regel hormonell therapiert, in Einzelfällen kann auch eine Zystenpunktion notwendig sein.

  • Entnahme von Uterustupfern, -spülproben und -biopsien

  • Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken

  • Endoskopische Untersuchung der Gebärmutter (Hysteroskopie)

Zyklusdiagnostik und Besamung mit flüssigkonserviertem und Tiefgefriersperma

Voraussetzung für eine erfolgreiche Besamung ist neben der Geschlechtsgesundheit (Zuchttauglichkeitsuntersuchung) die Bestimmung des optimalen Besamungszeitpunktes. Neben der Beurteilung des Tierverhaltens beinhaltet die Zyklusdiagnostik eine vaginale Untersuchung (Vaginoskopie sowie Vaginalzytologie bei der Hündin) und die Untersuchung von Gebärmutter und Eierstöcken (manuelle Palpation und Ultraschalluntersuchung). Die Veränderungen der Gebärmutterstruktur und die Follikelentwicklung können durch die Ultraschalluntersuchung visualisiert werden. Diese Informationen sind insbesondere bei der Stute mit ihrer über mehrere Tage andauernden Rosse von größter Bedeutung.

Trächtigkeitsuntersuchung

Die Trächtigkeitsuntersuchung beim Rind kann sowohl durch transrektale Palpation als auch durch eine transrektale Ultraschalluntersuchung erfolgen.

Bei der Stute ist die Ultraschalldiagnostik essentiell, da nur damit der Ausschluss einer Zwillingsgravidität so sicher wie möglich erfolgen kann. Zwillingsträchtigkeiten beim Pferd sind eine Gefährdung für Stute und Fohlen, häufig kommt es zu Totgeburten oder der Frühgeburt lebensschwacher Fohlen und Komplikationen im Geburtsverlauf sowie in der Nachgeburtsphase. Deshalb sollte die rechtszeitige Reduktion einer der beiden Fruchtanlagen vorgenommen werden. Auch bei Schafen und Alpakas ist eine transrektale Trächtigkeitsuntersuchung gut möglich, zu einem späteren Zeitpunkt der Gravidität kann auch transabdominal untersucht werden.

Die Ultraschalldiagnostik liefert neben der Diagnose „tragend“ oder „nicht tragend“ weitere wertvolle Informationen: Herzschlagfrequenz, Echogenität des Fruchtwassers und die Dicke von Uterus und Placenta (Referenzwerte bei der Stute) ermöglichen es, die Intaktheit der Trächtigkeit zu beurteilen.

Betreuung von Trächtigkeit, Geburt, Nachgeburtsphase

Fehlerhafter Geburtspositionen der Frucht, Wehenschwäche des Muttertieres oder ungünstige Größenverhältnisse zwischen Mutter und Frucht können eine Geburtsstockung bedingen, die rasches Handeln erfordert. Bei Rindern, Schafen, Ziegen und Alpakas ist eine chirurgische Entwicklung der Frucht/Früchte auch zu Hause im Stall gut möglich. Der Kaiserschnitt bei der Stute ist der Tierklinik vorbehalten.

  • Konservative Geburtshilfe
  • Chirurgische Geburtshilfe: Kaiserschnitt (Rind, Schaf, Ziege, Alpaka)
  • Fetotomie

Auch in der Nachgeburtsphase kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Der Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps) führt in kurzer Zeit zur massiven Schädigung des vorgefallenen Organs und zum Kreislaufzusammenbruch des Tieres. Die Nachgeburtsverhaltung bei der Stute kann zur Sepsis führen und eine sogenannte endotoxinbedingte Hufrehe auslösen, wodurch es immer wieder zum Verlust von Tieren kommt.

Neugeborenenmedizin

Voraussetzung für die Entwicklung eines gesunden Fohlens, Kalbes, Lammes oder Crias (Alpakafohlen) ist die Aufnahme von Antikörpern (Immunglobuline) über die Kolostralmilch in den ersten Lebensstunden. Nur so ist das Neugeborene gegen Infektionen geschützt.

Der Immunglobulingehalt kann im Blut bestimmt werden, bei einem nachgewiesenen Mangel ist die Transfusion von Blutplasma lebensnotwendig, da ansonsten schwerwiegende Komplikationen wie Durchfall oder Lungenentzündung zu erwarten sind.

Frühgeborene Fohlen bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Lunge und Skelettsystem sind im Vergleich zum reifen Fohlen meist noch unzureichend entwickelt. Starke Durchtrittigkeit bedingt Schwierigkeiten beim Aufstehen, so dass diese Tiere Unterstützung benötigen, um ausreichend Milch an der Mutter trinken zu können. An Hand von Röntgenaufnahmen der Tarsal-und Karpalgelenke kann die Skelettreife abgeklärt werden.

Der Nabel des Neonaten enthält Blutgefäße des fetalen Kreislaufsystems, die in der Bauchhöhle zur Leber bzw. Harnblase ziehen, und den sogenannten Urachus (Urharngang), eine direkte Verbindung zur Harnblase. Über diese Strukturen können Bakterien leicht in den Organismus eindringen. Der Nabel sollte deshalb in den ersten Lebenstagen mehrfach desinfiziert und auf Entzündungszeichen wie Umfangsvermehrung, vermehrte Wärme oder Schmerzhaftigkeit kontrolliert werden. Eine Entzündung des Nabels und seiner Strukturen bedarf umgehender medizinischer Versorgung und engmaschiger Kontrolle der intraabdominal verlaufenden Strukturen, um eine Ausbreitung des Infektionsgeschehens rechtzeitig feststellen und intervenieren (chirurgische Nabelresektion) zu können.

Beratung bei der Aufzucht von Waisenfohlen

Mutterlose Fohlen sind eine sehr zeitaufwendige Aufgabe. Fohlen trinken mehrmals pro Stunde an der Stute. Bei der Aufzucht mit der Flasche ist deshalb in den ersten Lebenstagen ein halbstündliches Tränkeintervall zu gewährleisten. Wichtig ist, die Tränkemenge durch regelmäßige Gewichtskontrolle dem schnell steigenden Bedarf anzupassen. Die Fütterung erfolgt in der Regel mit Milchaustauscher. Dabei ist auch die Kotkonsistenz des Fohlens im Auge zu behalten, da einige Neonaten mit Koteindickung bis hin zur Verstopfung reagieren.

Alternativ zur mutterlosen Fohlenaufzucht ist der Versuch der „Verpaarung“ mit einer Ammenstute empfehlenswert. Dies sollte nur von im Umgang mit Pferden erfahrenen Personen vorgenommen werden! Für die Sozialisierung von mutterlosen Fohlen ist die Vergesellschaftung mit anderen Pferden essentiell.

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